Lebensführung nach der Psychologie Adlers

- Grundlagen und Prinzipien für Glück & Freiheit -

Im folgenden Text geht es um eine große Spannweite an Themen – im Grunde kann man sagen, es geht um das Leben selbst. Die Ansichten, Grundlagen, Prinzipien und Handlungsanweisungen basieren auf der sogenannten „Individualpsychologie“ nach Alfred Adler. Sie ist eine Mischung aus Wissenschaft und Philosophie und setzt sich tiefgreifend mit dem einzelnen Menschen auseinander. Dabei gibt sie neue Denkanstöße entgegen klassischer Anschauungen, die für jeden Menschen interessant sind.

Die Inhalte basieren auf dem Buch „Du musst nicht von allen gemocht werden“ von Fumitake Koga und Ichiro Kishimi. Jeder, der hier interessiert, kann ich es sehr empfehlen, dem Dialog im Buch zwischen einem jungen Mann und dem Philosophen hinsichtlich Adlers Psychologie zu folgen – vor allem als Hörbuch.

Im Folgenden wirst du durch die verschiedenen Bereiche von Adlers Sicht geführt, die sich letztlich wie ein Puzzle zusammensetzen.

„Alle Probleme sind zwischenmenschlich“

Bromorrow-Vogel

Ausgangspunkt der Psychologie Adlers ist der Grundsatz: „Alle Probleme sind zwischenmenschlicher Natur“. Also jedes Leid und im Umkehrschluss auch jedes Glück. Alles hängt von unserem Verhältnis zu unseren Mitmenschen ab. Welche Beziehungen haben wir? Wie sehen sie mich? Was erwarten sie? Was erwarte ich? Welche Rolle habe ich? Und und und. Zwischenmenschliche Beziehungen sind es, die nach Adler den Rahmen für unsere Lebensführung setzen und uns positiv wie negativ in der Welt und im Leben einordnen. Alle Aspekte stehen immer mit ihnen in Verbindung.

Wettbewerb, Minderwertigkeitskomplex & Überlegenheit

Wir alle stehen in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen in einem ständigen Wettbewerb. Jeder guckt auf die Anderen, um sich selbst zu bewerten. Andersrum bewerten wir Andere nach uns selbst. Das Fazit daraus ist, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Sein relativ ist. Quasi nach dem Motto „Unter den Blinden ist der Einäugige König“, aber andererseits unter den Normalsehenden ist der Einäugige ein Verlierer.

<< Unter den Blinden ist der Einäugige König. >>

Aufgrund dieser Art Wettbewerb bilden Menschen häufig einen Minderwertigkeitskomplex aus. Sie vergleichen sich ständig und letztlich gibt es immer jemanden, der in der jeweiligen Sache besser ist. Das führt zu Unzufriedenheit und ist ein Grundproblem unserer Gesellschaft.

Adler nennt den tief im Menschen verwurzelten Wunsch, sich von anderen abzuheben, das „Streben nach einfacher Überlegenheit“. Jeder will besonders sein und Anerkennung erhalten. Und sollte das nicht gehen, schlägt es bei einzelnen Menschen ins Gegenteil um. Wenn sie nicht besonders gut sein können, dann werden sie eben besonders schlecht. Man nennt dies das sokratische Paradoxon.

Zielorientierung

Bromorrow

Nachdem wir das Zwischenmenschliche, den Wettbewerb und die Überlegenheit durchgegangen sind, geht es jetzt konkret um das Verhalten des einzelnen Menschen. Warum verhalten sich Menschen in Situationen, wie sie sich verhalten?

In der klassischen Psychologie nach Freud ist jedes Verhalten die Auswirkung eines vergangenen Ereignisses. Heißt: Ein Mensch agiert so, weil ihm etwas Bestimmtes widerfahren ist. Freuds Ansatz ist Vergangenheits-orientiert. Adler dagegen spricht von dem Ziel eines Verhaltens. Was möchte ein Mensch durch sein bestimmtes Verhalten erwirken? Dieser Ansatz ist Zukunfts-orientiert. 

Konkret bedeutet dies im Vergleich:  Ein Kind benimmt sich wie ein Rüpel nicht, weil es ein Trauma hat (selbst, wenn es ein schlimmes Ereignis erlebt hat), sondern mit der Maxime, sich besonders zu fühlen, z.B. dadurch, dass alle auf es schauen und sagen: „Der hat etwas Schlimmes erlebt und ist anders“. Es ist also der Wunsch nach einfacher Überlegenheit, der hier zum Ausdruck kommt. 

Gerade, wenn man einem Verhalten entgegenwirken möchte, ist daher die Frage nach dem Ziel statt der Ursache entscheidend, um das richtige Verständnis für den Menschen zu schaffen. Für uns selbst bedeutet dies aber auch, dass wir uns selbst bewusst werden müssen, warum wir uns in einer gewissen Art verhalten. Wir reden uns häufig ein, es habe eine Ursache, aber wie eben erläutert, ist es nach Adlers Ansicht ein Ziel – und da dieses für die Gegenwart und Zukunft gilt und nicht der Vergangenheit entspricht, können wir es aktiv verändern.

Tipp:

Hinterfrage einmal bei dir selber, ob du bei einem Verhalten ein Ereignis als Begründung vorschiebst. Welches Ziel könntest du eigentlich mit diesem Verhalten verfolgen? Hilft es dir wirklich? Wenn nein, kannst du es ändern.

Lebensstil

Ein weiteres Element der Adlerschen Psychologie, das in Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Beziehungen steht, ist der sogenannte Lebensstil. Jeder Mensch wählt seinen eigenen Lebensstil. Jeder „funktioniert“ auf seine eigene Art und Weise, hat seine eigenen Überzeugungen und Weltanschauungen. In der Kindheit lernen wir auf unterschiedliche Weise die Welt kennen und erschaffen ein Bild von ihr und uns selbst. Dieses Bild funktioniert anschließend wie eine Art Skript, das uns durch das Leben führt. Beispiele hierfür sind zum Beispiel „Ich muss ein tugendhaftes Leben führen“ oder „Ich muss in allem der Beste werden, um besonders zu sein“. In der Gemeinschaft folgen wir also unterschiedlichen Fährten.

<< Jeder „funktioniert“ auf seine eigene Art und Weise. >>

Lebensaufgaben & Aufgabentrennung

Da jeder Mensch anders ist und unterschiedliche Lebensstile hat, sind zwischenmenschliche Beziehungen oft nicht leicht. Adler nennt 3 Teile im Leben, in denen wir zwischenmenschlichen Beziehungen maßgeblich begegnen. Die sogenannten Lebensaufgaben. Von der Art ihrer Bewältigung hängt das eigene Glück ab.

  1. Aufgabe der Liebe
  2. Aufgabe der Freundschaft
  3. Aufgabe der Arbeit

Essenziell beim Umgang mit ihnen ist die sogenannte Aufgabentrennung. Sie meint die Aufteilung, was geht mich/dich etwas an und legt einen angemessenen Abstand für die Beziehung fest. Sie ist die Grenze, zwischen den eigenen Aufgaben und derer, die nur für den anderen gelten und ich nicht eingreife. Liegt ein Problem vor bei einer anderen Person, legt sie also fest, ob mich das etwas angeht, ich mich einmische und mich selbst damit belaste. Dadurch sollen Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen verhindert werden.

Tipp:

Frage dich in zwischenmenschlichen Beziehungen bei Problemen, Herausforderungen, Entscheidungen etc.:

Wessen Aufgabe ist das?

Diese Frage kannst du dir beantworten, indem du diese Frage beantwortest:

Wer bekommt die Auswirkungen zu spüren?

Gemeinschaft

Adler prägt stark den Begriff der Gemeinschaft. Seine Ansicht geht deutlich über den normalen Usus hinaus. Für ihn ist die Gemeinschaft allumfassend: beinhaltet Vergangenheit und Zukunft, Menschen, Tiere, Objekte. Im Grunde das ganze Universum. Das Ausmaß einer Gemeinschaft ist aus seiner Sicht unendlich und jeder gehört irgendeiner Gemeinschaft an. Die kleinste Gemeinschaft umfasst zwei Personen, größere Gemeinschaften sind die der Erde, der Firma oder der Schule.

Der Kern seines Gemeinschaftsgedankens ist, dass alles verbunden ist. Die Gemeinschaft geht über Dinge, die wir sehen können hinaus, umfasst auch Beziehungen, die wir nicht sehen können. Jeder ist Mitglied einer großen Welt und es ist höchst wichtig, dass wir uns zugehörig fühlen. Dieses Gemeinschaftsgefühl bedeutet, dass wir Interesse an anderen zeigen (“social interest”). Erst, wenn man sich von der Ich-Zentriertheit löst, die einem seit der Kindheit anhaftet, kann man dieses “Wir”-Gefühl erreichen. Den Weg von der Ich-Zentriertheit zum Gemeinschaftsgefühl beschreibt Adler als “Selbstständigkeit”.

Freiheit & Glück (Fazit)

Nun – aber wie passen diese Elemente nun zusammen? Zwischenmenschlichkeit, Wettbewerb, Minderwertigkeitskomplexe, Überlegenheitsstreben, Zielorientierung, Lebensstil, Lebensaufgaben und die Gemeinschaft. Was bedeuten sie für uns gesamtheitlich? Naja, sie definieren nach Adler letztlich unsere Freiheit und unser Glücksgefühl.

Aber von vorne:

Alle Probleme sind zwischenmenschlich, dagegen sind Beziehungen auch die Quelle des Glücks. Jeder Mensch, mit dem wir interagieren, hat einen eigenen Lebensstil und unterschiedliche Lebensaufgaben zu bewältigen. Im Verhältnis zueinander charakterisieren wir uns durch unseren Wunsch besonders zu sein und legen dieses Ziel oft gar unbewusst unserem Verhalten zugrunde. Das charakterisiert unseren zwischenmenschlichen Kontakt und die Rolle, die wir glauben in der Gemeinschaft inne zu haben.

 

Adler gibt für ein glückliches Leben folgenden zweischneidigen Appell:

  1. Da alle Probleme zwischenmenschlich sind, sollte man sich von den Konventionen durch Andere frei machen und für sich selber leben. Freiheit bedeutet insofern auch von anderen Mal nicht gemocht zu werden, dafür aber dem Wettbewerb zu entgehen. Man solle den Mut haben, normal zu sein, um glücklich sein. Diese Selbstakzeptanz ist gleichbedeutend zu Freiheit.
  1. Das eigene Glück hängt vom Gemeinschaftsgefühl ab. Es geht nicht darum, was ich bekomme, sondern, was man selber für die Gemeinschaft geben kann. Das Engagement für die Gemeinschaft definiert den eigenen Platz. Zur Erinnerung: Eine Gemeinschaft kann alles sein, was über eine Person hinausgeht. Und wenn Schwierigkeiten in Beziehungen auftreten, dann höre auf die Stimme der größeren Gemeinschaft. Verschiebe den Kontext, um deine Wahrnehmung zu verändern. Beispiel: In der Schule ist der Lehrer autoritär, aber in Gesellschaft aller Bürger ist er dir gleich.

 

Adler hat noch eine letzte Handlungsanweisung: Sie ist eine Sicht, die uns neben all der Zwischenmenschlichkeit auch einen zeitlichen Impuls liefert. Und zwar sagt Adler, das Leben besteht nicht aus einer Linie, sondern aus Punkten – sogenannten Momenten des Jetzt. Es gehe nicht darum, immer nur auf eine ferne Zukunft hinzuarbeiten und schon gar nicht darum, an der Vergangenheit zu kleben. Beides kann schwer und belastend sein. Vielmehr solle man Erfüllung im Jetzt des Tanzes finden. Dies nennt man energetisches Leben und folgt dem Motto „Der Weg ist das Ziel“.

Denn, wenn man helle Scheinwerfer auf das Hier und Jetzt wirft, dann ist Vergangenheit und Zukunft nicht mehr sichtbar.

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