Wie Denkfehler unser Handeln prägen

- Welche Denkfehler uns bei unseren Einschätzungen und Entscheidungen bewusst sein sollten -

Wir Menschen behaupten von uns, wir würden rational denken. Jedoch handeln wir nach einer Reihe von Denkfehlern und irrationalen Annahmen. Im Folgenden stellen wir dir auf Basis der Erkenntnisse des Nobelpreisträgers Daniel Kahneman vor, wie unser Denken funktioniert und welche Denkfehler wir machen.

Schwarz und Weiß. Gut und Schlecht. Richtig und Falsch.

Wenn wir durch die Welt wandern, sortieren wir alles und jeden in eine von zwei Schubladen. Und je nachdem in welche, leiten wir für uns davon ab, ob diese Situation oder dieser Mensch etwas Positives oder etwas Negatives für uns bedeutet. Eine Bedrohung, Gefahr, ein schlechter Einfluss. Ein Glücksfall, eine Sicherheit, eine Unterstützung. Geradezu automatisch und schon fast unbewusst – es ist unser Instinkt. Oder das, was wir Instinkt nennen. Und dabei spreche ich gar nicht mal von so etwas wie Vorahnung, sondern der automatischen Einschätzung, die wir alle jederzeit vornehmen. Meistens ist sie hilfreich, teilweise jedoch geht sie ziemlich in die Hose und Schuld daran sind ganz einfache Denkfehler.

System 1 vs. System 2

Bromorrow-Vogel

Wie Daniel Kahneman in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ darlegt, wird dieser Instinkt von einem Bereich des Gehirns erzeugt, der als „System 1“ bezeichnet wird. In den Millionen von Jahren in der Entwicklung vom Primaten zum modernen Menschen wurde dieses System geschult. Es ist so in der Lage Ereignisse enorm schnell und ohne Anstrengung zu bewerten – nur eine kleine, sichtbare Menge an Informationen wird einbezogen und diese assoziativ in eine passende Kategorie eingeordnet.

Der Gegenpart ist System 2. Dieses ist absolut faul und nur mit Anstrengung aktivierbar. Es arbeitet langsam und methodisch, wie zum Beispiel, wenn wir eine komplizierte Mathe-Aufgabe lösen müssen. System 1 und 2 ergänzen sich und unser Handeln hängt davon ab, welches System gerade aktiv ist.

Aber nun zurück zum „Instinkt“, der durch System 1 erzeugt wird. Zumeist ist er richtig und damit auch richtig nützlich. Wenn ein steinzeitlicher Sammler auf einen Bären traf, wusste er sofort hier lauert eine Gefahr. Und wenn wir heute die Wahl haben zwischen einem Stück Kohle und einem Barren Gold, wissen wir auch direkt ohne nachzudenken, was wir nehmen sollten. Jedoch macht unser System 1 auch klare Denkfehler und wir sind bei weitem nicht so rationale Entscheider, wie wir uns immer einreden.

Econs vs. Humans

In der Wirtschaftstheorie regiert der Homo Oeconomicus (Econ), der rationale Mensch, der immer die nützlichste Entscheidung trifft. In der echten Welt der Humans, der echten Menschen, werden seine Entscheidungen durch einen Haufen von Denkfehlern bzw. Verzerrungen in der Wahrnehmung von System 1 beeinflusst. Folgend einige Effekte, die nachweislich unsere Entscheidungen entgegen der realen Umstände verändern:

1. Denkfehler: Enges Framing

Wir beachten nur einen kleinen Ausschnitt aller Informationen und stricken daraus eine Geschichte, die alles erklärt und der Ursprung unseres folgenden Verhaltens ist. Das passende Akronym, dass diesen Umstand verdeutlicht ist „WYSIATI“: „What you see is all there is.“

2. Denkfehler: Der Halo-Effekt

Wir übergewichten emotionale Eindrücke und schließen aufgrund bekannter Eigenschaften auf unbekannte Eigenschaften einer Person. Ist eine Person hilfsbereit in einer Situation wird sie mit Sicherheit auch großzügig sein. Das ist natürlich Unfug und nur eine Vereinfachung der Welt durch unser Gehirn.

3. Denkfehler: Priming

Ein wahrgenommenes Ereignis löst bei uns assoziativ einen Vorgang im Gehirn aus, ob bewusst oder unbewusst. Es handelt sich um eine assoziative Verknüpfung, die sich mental und sogar physisch auswirken kann. So liefen Probanden einer Studie langsamer als normal, nachdem sie an alte Leute erinnert wurden.

4. Denkfehler: Die Verlustaversion

Wir werten unbewusst Verluste doppelte so stark wie Gewinne. Dies passiert einerseits z.B. bei Wetten und Glücksspielen, bei denen einem Gewinn ein Verlust gegenübersteht. Aber auch bei existierenden Dingen, wie einer Gehaltshöhe oder einem Auto, das wir nur schwer wieder entbehren wollen, wen dem nicht ein deutlich höherer Benefit gegenübersteht. Dieser irrationale Denkfehler ist ein Grund, warum Menschen Veränderung so schwerfällt.

Wie Verzerrungen beim Denken unser Handeln prägen

Denkfehler vs. Stochastik

Bromorrow

Bei Wirken der Denkfehler rücken zahlen- und wahrscheinlichkeitsbasierte Bewertungen in den Hintergrund. Verteilungen der objektiven Möglichkeiten bzw. Eintrittswahrscheinlichkeiten von Ereignissen (Basisraten) werden ausgeblendet. Schwankungen beim Eintreten von Ergebnissen dagegen fehlinterpretiert. So wird einem Fußballer, der eine tolle Saison spielte, jedoch die aktuelle Saison kaum mehr Akzente im Spiel setzt, ein besonderer Grund attestiert für diesen Formabfall. Dabei handelt es sich um einen Wahrnehmungsfehler: Letzte Saison war er durch Glück einfach nur deutlich über seinem durchschnittlichen Niveau. Sein plötzlicher Formabfall ist schlichtweg eine Regression zum Mittelwert.

Das erlebende Selbst vs. das erinnernde Selbst

Und es gibt noch einen Fall, bei dem unsere Art zu denken unser Handeln fälschlich prägt. Dies liegt begründet im Unterscheiden zwischen dem erlebenden Selbst und dem erinnernden Selbst. Das erlebende Selbst beschreibt die Wahrnehmung im Jetzt – das was man für den Moment wahrnimmt und fühlt. Das erinnernde Selbst dagegen interpretiert das Erlebte oftmals im Nachhinein um. Kahneman führt hierzu ein Experiment auf, bei dem Teilnehmer ihre Hand in schmerzend kaltes Wasser hineinhielten. Zunächst 60 Sekunden lang, dann in einem anderen Durchgang nochmal 60 Sekunden bei gleicher Temperatur plus zusätzliche 30 Sekunden bei einem Grad mehr. Im Anschluss wurden sie befragt, welchen Durchgang sie wiederholen würden, wenn sie wählen müssten. Der Großteil wählte Durchgang 2, obwohl er 30 Sekunden mehr Schmerzen bedeutete als Durchgang 1. Entscheidend für dieses irrationale Urteil ist die Höchststand-Ende-Regel. Sie besagt, dass das erinnernde Ich das Urteil danach bestimmt, wie der stärkste Reiz und wie der letzte Reiz war. Zeit spielt dabei eine nachrangige Rolle.

Quick Check zu Denkfehlern - Was lernen wir daraus?

Unser Gehirn ist hochfunktional, aber nicht perfekt. Unser Instinkt liegt oft richtig, aber nicht immer. Entscheidungen werden zumeist nicht auf einer rationalen Basis getroffen, sondern emotional und oft spielt eine Verzerrung – ein Denkfehler – dabei eine Rolle. Wir müssen unser Bewusstsein für unsere eigene Psyche erweitern. Müssen unsere eigenen Entscheidungen und ihre Ursachen hinterfragen und uns zwingen System 1 nicht blind zu vertrauen. Wenn wir es schaffen zu verstehen, warum wir die Dinge auf diese Weise wahrnehmen und einschätzen, sind wir bereit stochastischer, rationaler und nützlicher zu entscheiden. Und diese Art des Denkens wird uns besser machen.

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